Abenteuer Distanzreiten

Nachdem ich vor einigen Jahren schon mal ein bisschen in den Distanzreitsport hineingeschnuppert habe, hat es mich sehr gefreut, dass Christa Mitterer auch Interesse daran gezeigt hat und so haben wir heuer zu zweit (was ja viel mehr Spaß macht!) das Distanzreiten in Angriff genommen.

Unser erstes Ziel war beim Distanzritt in St. Valentin am 16. August einen 40-km-Ritt zu bestreiten. Um unsere Pferde (Christa reitet Baghir und ich Bandur) auf dieses Ereignis vorzubereiten, haben wir im Juni und Juli jeweils einen Ausflug ins Flachland zu Barbara nach Weyersdorf bei Karlstetten gemacht.

Unser erster Ritt führte uns von Weyersdorf nach Herzogenburg (siehe auch unter „Tagesritt Herzogenburg“), wo wir ein paar andere Wanderreiter getroffen haben und bei Anderl Hans Mittagsrast hielten. Barbara Schagerl hat zwei verschiedene Strecken für den Hin- und den Rückritt ausgekundschaftet, die beide ca. 20 km lang waren. Wir sind manche Etappen in Wettbewerbstempo geritten, haben dazwischen aber immer wieder Schrittpausen eingelegt. Besonders genossen haben wir scheinbar ewiglange, schnurgerade Wiesenwege, die wir zum Galopptraining genutzt haben!

Auch bei unserem zweiten Trainingsritt hat uns Barbara mit ihrem Ispán ortskundig durch die Gegend rund um Weyersdorf geführt und wir haben vormittags und nachmittags eine 20-km-Runde gedreht. Bei diesen Ritten haben wir auch gemerkt, dass das Training nicht nur für unsere Pferde, sondern auch für die Reiter sehr wichtig ist. Schmerzende Schenkel und drei Tage Muskelkater haben uns aber nicht abgehalten weiterzumachen!

Und dann kam der 16. August: Eigentlich wollten wir am Vorabend anreisen und zelten, aber weil der Wetterbericht so schlecht war, haben wir uns entschlossen erst in der Früh hinzufahren. Das war sicher eine sehr gute Entscheidung, denn die Wettervorhersage hatte leider recht und es hat die ganze Nacht geschüttet. Auch am Morgen hat es noch stark geregnet und so haben wir jede Menge Regenjacken usw. eingepackt und sind losgefahren. Barbara und Nina waren als Groom dabei. Kurz nach 7 Uhr kamen wir in St. Valentin an. Wir besorgten uns unsere Startnummern und Streckenkarten. Unsere Ängste wegen des aufgeweichten Bodens wurden noch verstärkt, als wir von anderen Reitern hörten, dass schon ein Pferd aufgrund der schlechten Bodenverhältnisse gestürzt ist. Barbara machte sich auf den Weg, um die Straßen zu den Groomingpunkten ausfindig zu machen. Der Rest der Mannschaft absolvierte mit den Pferden den ersten Vet-Check und bereitete sie auf den Start vor. Als wir dann schon beim Warmreiten waren, wurde  uns mitgeteilt, dass unsere Startzeit von 9 Uhr auf 10 Uhr verschoben worden ist. Es hat eben doch Nachteile, wenn man am Vorabend bei der Rittbesprechung nicht anwesend ist!

Als wir eine  Stunde später wieder auf den Pferden saßen, hatte wenigstens der Regen nachgelassen, aber es war sehr windig und kühl. Gemeinsam mit neun anderen Reitern, die 20 oder 40 km ritten, machten wir uns auf den Weg. Natürlich wollten unsere Pferde nicht langsamer sein als die anderen und daher ist die Gruppe lange zusammen geblieben. Mit dem Boden hatten die Pferde weniger Probleme als erwartet. Wir haben in Kurven und bergab das Tempo zurückgenommen. Auf der Ebene waren sie recht sicher unterwegs, nur bergauf merkte man schon, dass es für die Pferde durch den tiefen Boden noch anstrengender war als sonst. Barbara und Nina waren zuverlässig bei den vereinbarten Groomingpunkten. Baghir fürchtete sich vor den Wasserflaschen und wir hatten Mühe ihn nass zu bekommen! Nach 1 Stunde und 17 Minuten hatten wir In-Time und unsere Pferde bekamen von den  Tierärzten das Okay zum Weiterreiten!

Nach einer 20-minütigen Pause ging es auf zur nächsten Runde. Die Gruppe hatte sich etwas aufgeteilt und Christa und ich waren nun allein auf der Strecke. Wir haben beschlossen ein etwas gemütlicheres Tempo zu reiten und unsere Pferde waren auch damit einverstanden. Es regnete jetzt kaum noch, aber die Pferde mussten zeitweise gegen ziemlich starken Wind ankämpfen. Der Boden war noch gatschiger als bei der ersten Runde, wir hatten aber keine nennenswerten Probleme damit. So kamen wir nach einer Gesamtreitzeit von 2 Stunden und 46 Minuten glücklich ins Ziel! Auch der abschließende Vet-Check verlief positiv, daher konnten wir den Ritt in Leistungsklasse 1 beenden!

Nachdem die Pferde versorgt waren, gönnten wir uns ein gemütliches Mittagessen in der wamen Gaststube. Nach der Siegerehrung musste ein Traktor unser Auto aus der gatschigen Wiese herausziehen (alle anderen Autos auch!) und wir machten uns erschöpft, aber sehr zufrieden auf die Heimreise. Christa und ich waren uns einig: Das müssen wir unbedingt wieder mal machen!

Und so kam es, dass AndreaChrista und ich mit Bandur und Baghir am Nachmittag des 28. September mit dem Auto Richtung Burgenland unterwegs waren um am nächsten Tag in Apetlon unseren ersten 60-km-Ritt zu absolvieren!

In Apetlon angekommen, mussten wir mit den Pferden zum Vet-Check und dann bauten wir für die Vierbeiner ein Paddock und für uns ein Zelt auf. Leider blieb vor der Dämmerung keine Zeit mehr, um zu den Groomingpunkten zu fahren und auch bei der Rittbesprechung wurde nicht genau erklärt, wie man dort hinfindet. Wir haben aber erfahren, dass die 60 km auf drei Etappen zu reiten sind: 30, 20 und 10 km und die Pausenzeiten 40 Minuten betragen.

Die Nacht im Zelt war für Andrea und mich recht angenehm, aber Christa konnte kein Auge zutun. Sie ist irgendwann ins Auto ausgewandert, dort konnte sie dann einigermaßen gut schlafen.

Um 5 Uhr war Tagwache: Pferde füttern, frühstücken, startklar machen! Bereits um 7 Uhr gings dann auf zur 30-km-Schleife! Bandur war wieder mal mit meinem Plan relativ langsam zu reiten, da es ja unser erster 60-km-Ritt war, gar nicht einverstanden. So ging es in recht flottem Tempo durch Weingärten und vorbei an kleinen und größeren Lacken durch das Naturschutzgebiet Neusiedlersee. Schüsse und verschiedenste Warnsignale zum Vertreiben der Vögel von den Weingärten trugen auch nicht gerade dazu bei die Pferde zu beruhigen. Als wir zum ersten Groomingpoint kamen war Andrea nicht da. Waren wir zu schnell oder sie zu langsam? Nach der ersten Hälfte der Strecke beruhigten sich die Pferde etwas und wir kamen nach 1 Stunde und 46 Minuten ins erste Vet-Gate.

Auch die 20-km-Schleife führte durch die endlosen Ebenen der pannonischen Steppe. Wir haben das Tempo deutlich zurückgenommen, sind viel getrabt und nur auf den sehr weichen Wegen galoppiert. Den Groomingpoint auf dieser Strecke hat Andrea auch rechtzeitig gefunden.

Nach der letzten Pause waren wir recht froh, dass wir nur mehr 10 km zu reiten hatten. Nach einer Gesamtreitzeit von 3 Stunden und 51 Minuten galoppierten wir über die Ziellinie! Beim abschließenden Vet-Check waren unsere Pferde in sehr guter Verfassung.

Bei der Siegerehrung staunten wir über die schnellen Zeiten der anderen Reiter mit bis zu 23 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit. Trotzdem waren Christa und ich mit der Leistung unserer Pferde auf unserem ersten 60-er mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 15,5 km/h sehr zufrieden.

Wir haben sehr viel Erfahrung gesammelt auf diesen beiden Distanzritten und wollen nächstes Jahr auf jeden Fall wieder bei einigen mitreiten und vielleicht ist dann sogar schon ein 80-er dabei!?!

 

Zum Abschluss möchte ich mich noch recht herzlich bei Barbara für die Organisation unserer Trainingsritte und bei unseren Grooms Barbara, Nina und Andrea für die Mithilfe am Turnier bedanken!

Mein besonderer Dank gilt natürlich unseren Pferden Bandur und Baghir, die uns mit ihrer Leistungsbereitschaft und Ausdauer diese herrlichen Erlebnisse ermöglicht haben!

Bericht von Elisabeth Kapeller