Bodenarbeitskurs mit Christine Schaubeder

01. - 02. August, Hofstadl, Gut Friedstein, Großwinkl, Nattershof

Wozu Seitengänge mit dem Pferd, … vor allem wenn die Reiterin, vielmehr die Balletttänzerin, nebenbei hertappst und ob der Fuß- und Handakrobatik-Anforderung selbst nicht versteht, diesen Kurs belegt zu haben?

 

Stimmt, zu Beginn ist vor allem für den Reiter gymnastizierende Arbeit an der Hand mit seinem Pferd gar nicht so einfach – wie bei allen Sachen, die man neu lernt, stellt man auch hier kurzfristig seine koordinativen Fähigkeiten in Frage: Zügelführung, Gertenhaltung, Körperposition, Stellung, Takt , … und dann das alles und viel mehr nicht nur von links, sondern natürlich auch von der rechten Seite des Pferdes aus! Alleine das Führen seines Pferdes von rechts ist für viele schon ungewohnt, also kein Wunder, dass man auch in diese Arbeit mit dem Pferd langsam hineinwachsen muss. Wozu Seitengänge, noch dazu an der Hand? Seitengänge sind Gymnastik für das Pferd – sie kräftigen die Hinterhand, machen die Schultern freier und richtig eingesetzt helfen sie, die natürliche Schiefe des Pferdes auszugleichen. Wir sollten immer wieder daran denken, dass es auch bei den Pferden Rechts- und Linkshänder gibt und viele Probleme beim Reiten und Longieren darauf zurückzuführen sind. Durch die Lage des Fohlens im Mutterleib ergibt sich eine gedehnte und eine verkürzte Körperseite. Diese natürliche Schiefe begleitet – beim einen stärker, beim anderen schwächer ausgeprägt – die Pferde ein Leben lang und sollte von uns Pferdemenschen mit Verständnis begegnet werden.

 

Christine, was sind die Ziele dieser Form der Bodenarbeit mit dem Pferd?

 

Hauptziel ist sicher, wie schon oben erwähnt, die Gymnastizierung des Pferdes. Eine kräftige und aktive Hinterhand ist Voraussetzung für die Versammlung. Der Reiter lernt vom Boden aus, die Schultern und die Hinterhand des Pferdes zu kontrollieren und profitiert davon natürlich auch beim Reiten. Gut gemacht ist die Arbeit an der Hand eine wunderschöne, vertrauensbildende und wertschätzende Kommunikation zwischen Pferd und Reiter. Junge Pferde kann man mit den Stimm- und Zügelhilfen bekanntmachen, sie lernen, auf die touchierende Gerte vorwärts und seitwärts zu reagieren, sowie ihre Hufe bewusst zu setzen. Alles, was das Pferd schon ohne Reiter kann, fällt dann auch unter dem Sattel leichter, vor allem, wenn man als Pferd die vom Boden bekannten Hilfen gemeinsam mit den neuen Reiterhilfen angeboten bekommt. Für ein so vorbereitetes junges Pferd ist der Schritt von der Handarbeit und vom Longieren zum Reiten nur ein kleiner. Natürlich eignet sich die gymnastizierende Arbeit an der Hand auch gut für rekonvaleszente Pferde und Senioren, die zwar vielleicht nicht mehr geritten, aber trotzdem geistig und körperlich fit gehalten werden wollen.

 

Welche Tipps hast du für das weitere Training?

 

Arbeit an der Hand lässt sich wunderbar zwischendurch einbauen, sei es beim Longieren oder zum Aufwärmen vor dem Reiten (vor allem im Winter auch ein toller Aufwärmeffekt für den Reiter).

 

Immer wieder viel loben, Pausen gönnen, sich an kleinen Erfolgen freuen und seine Trainingsziele seinem Pferd anpassen – oft ist weniger mehr! Zu beachten ist, dass jede Seitwärtsbewegung auf Kosten des Vorwärts geht. Also erst seitwärts arbeiten, wenn die Pferde gut vorwärts marschieren. Das Vorwärts ist auch im Seitengang zu erhalten. Schritt-Trab-Übergänge an der Hand eignen sich gut, die Pferde wieder munter zu machen. Außerdem macht es Sinn, sich ein wenig in die Materie einzulesen – es gibt schon tolle Bücher zu diesem Thema. Erst wenn man etwas verstanden hat, kann man es auch wirklich gezielt anwenden. Sehr aufschlussreich ist es immer wieder, sich einmal bei der Arbeit mit seinem Pferd filmen zu lassen. Beim Anschauen erklären sich manche Dinge dann ganz schnell von selbst…

 

Und: sich einfach Hilfe holen, wenn man ansteht!

 

Wie erkennt man Erfolge aus dieser Arbeit?

 

An einem Pferd, das gern mitarbeitet, durchlässiger, beweglicher, kräftiger und motivierter ist und an der eigenen Freude bei der Arbeit mit seinem Pferd.

 

Herzlichen Dank an Christine Schaubeder für die Kurseinheiten und das Interview!

Bericht von Sabine Brenner und Christine Schaubeder